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Drei Jahre Gefängnis für Rene Herboth (Albeni)

Rene Uwe Herboth, der Inhaber von Albeni-Immobilien Alanya, muss für drei Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil fällte die 12. Grosse Strafkammer des Landgerichts Bochum nach fast vier Monaten Prozessdauer.

Auf die Strafe werden dreieinhalb Monate türkische und knapp zehn Monate deutsche Untersuchungshaft angerechnet. Bei einer Entlassung nach zwei Dritteln der Haftzeit würde Herboth das Gefängnis in elf Monaten als freier Mann verlassen.

Mit der Haftstrafe für Rene Herboth zieht das Landgericht Bochum einen endgültigen Schlußstrich unter das Kapitel "Albeni-Immobilien Alanya".

Das Gericht geht davon aus, dass Herboth über keinerlei Vermögen mehr verfügt. Seine "Immobilien-Blase" sei wie eine Seifenblase zerplatzt. Herboth und seine Firma "Albeni-Immobilien" hätten nie über ausreichend Eigenkapital verfügt. Deshalb sei er auf Fremdkapital angewiesen gewesen, das er sich von "Investoren" besorgt habe. Man könne zwar nicht von einem Schneeball-System sprechen, doch Herboth habe alte Löcher mit neuem Geld gestopft. Die Geschädigten hätten es Herboth ziemlich leicht gemacht, an ihr Geld zu kommen. Herboth habe sich in Alanya als "grossartiger und genialer Immobilienhändler" dargestellt. Weil der Angeklagte ein Geständnis abgelegt hatte, nicht vorbestraft ist und die Taten über zehn Jahre zurückliegen, verhängte das Gericht eine Strafe im unteren Bereich.


Aufstieg und Fall von Rene Uwe Herboth

Rene Uwe Herboth wurde 1964 geboren und wuchs in Tangermünde (Kreis Stendal) in der ehemaligen DDR auf. Er besuchte acht Jahren die dortige Volksschule und machte eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Nach dem NVA-Dienst arbeitete Herboth als Lastwagenfahrer.

Kurz nach der Wende zog Rene Herboth nach Schleswig-Holstein um. Er arbeitete dort mehrere Jahre in einem Strukturvertrieb als Verkäufer von Versicherungen.


1996 kam er in die Türkei und gründete 1997 in Alanya die Firma "Albeni-Immobilien". Rene Herboth war viele Jahre der grösste Immobilienmakler im Raum Alanya. Anfangs verdiente er mit dem Ankauf, der Sanierung und dem Verkauf von Wohnungen sein Geld, später auch mit dem Bau von kleineren Siedlungen für Ausländer.

Ende 2004 geriet Rene Herboth in Zahlungsschwierigkeiten, und Albeni-Immobilien musste Konkurs anmelden. Anfang 2005 wurde er deswegen von der türkischen Polizei verhaftet und sass gut drei Monate in Alanya in Untersuchungshaft. Im Januar 2012 wurde er in der Türkei von allen Betrugsvorwürfen freigesprochen. Begründung des Gerichts: Die Käufer hätten ja im Tapu-Amt nachschauen können, dass Herboth gar nicht der eingetragene Grundstücksbesitzer war. Die Käufer seien deshalb selbst schuld.

Im Juni 2012 randalierte Rene Uwe Herboth nach einer Party vor seinem Haus in Alanya. Vermutlich unter dem Einfluss von KO-Tropfen lief er nackt auf der Strasse herum und attackierte mehrere Polizisten. Die nahmen Herboth fest. Nach zweiwöchigem Aufenthalt in einer Nervenklinik wurde Herboth dann am 09.07.2012 nach Deutschland abgeschoben. Bei seiner Ankunft wurde er verhaftet und sitzt seitdem in der Justizvollzugsanstalt Bochum in Untersuchungshaft.


Vier Monate Prozessdauer in Bochum

Am 07.01.2013 begann die Verhandlung vor der 12. Grossen Strafkammer des Landgerichts Bochum. Die Verlesung der Anklageschrift dauerte über eine halbe Stunde, denn sie listete 45 einzelne Betrugsvorwürfe auf. Manche Albeni-Kunden hatten bis zu neunmal an Albeni bzw. Herboth gezahlt. Der Gesamtschaden lag bei über 2,8 Millionen Euro. Die Anklage warf Herboth vor, er habe Gelder als Darlehn oder "Investitionen" erlangt, obwohl er diese gar nicht zurückzahlen konnte. Käufer hätten die Kaufpreise für Villen an Herboth gezahlt, aber kein Tapu (Grundbuchblatt) erhalten. Vielmehr habe er das Geld unter anderem für einen exklusiven Lebensstil und für Luxusreisen nach Las Vegas und Dubai verbraucht.


Nur 17 von 45 Fällen wurden verhandelt

Bereits am zweiten Verhandlungstag sagte das Gericht eine Höchststrafe von 39 Monaten zu, wenn Herboth einen Teil der Taten gestehen würde. Und so wurden nur zwei Tatkomplexe verhandelt.

Im ersten Komplex hatte ein Architektenfamilie aus dem Raum Bremen zwischen 1999 und 2001 insgesamt neun Überweisungen an Herboth bzw. Herboths Lebensgefährtin Birgit Sänger getätigt. Die Geldgeber wohnten mehrere Jahre in Herboths "Villa Rocky 1" und betrachteten Birgit Sänger als eine Art Tochter. Die Familie hatte insgesamt 295.000 Euro an Albeni gezahlt, von denen sie inzwischen 160.000 Euro zurückerhielt.

Der zweite Tatkomplex mit acht Einzeltaten betraf zwei englische Frauen. Die beiden Damen zahlten im Jahr 2003 insgesamt 750.000 Euro an Albeni für einen Villenkauf in Alanya. Die Britinnen mussten lange fürchten, dass ihr Geld verloren war, doch schlussendlich haben sie ihr Haus mit mehrjähriger Verspätung doch noch erhalten.

Die weiter angeklagten 28 Taten mit einen Gesamtschaden von 1,78 Millionen Euro wurden nach Herboths Geständnis nicht mehr verhandelt. Hier ging es um "kleinere Beträge" als in den beiden vorgenannten Tatkomplexen. Diese Geschädigten haben zwar "nur" zwischen 10.000 und 123.000 Euro verloren, doch meist waren es die gesamten Ersparnisse, mit denen man sich den "Traum vom Haus im Süden" erfüllen wollte.

Rene Uwe Herboth stand wegen sieben Taten auch schon in Alanya vor Gericht, wurde jedoch in letzter Instanz freigesprochen. Diese Vorwürfe waren auch in der Bochumer Anklageschrift aufgeführt und mussten deshalb eingestellt werden.


Geschädigte sind mit Urteil unzufrieden

Konrad L., einer der Geschädigten, zeigte sich anschliessend auf dem Gerichtsflur völlig enttäuscht: "Die Strafe ist viel zu niedrig für das, was er uns angetan hat. Für das Geld, das er uns abgenommen hat, haben wir alle hart gespart. Sobald Herboth wieder in Freiheit ist, wird er bestimmt wieder mit dem Geld herumprassen."

Niedrige Strafe wegen verminderter Schuldfähigkeit

Das Gericht berücksichtigte beim Strafmass die eingeschränkte Schuldfähigkeit des Angeklagten. Die psychiatrischen Gutachter, der Psychologe Siegfried Binder und der Psychiater Dr. Miroslav Brkanovic sehen bei Herboth einen zeitweisen Realitätsverlust. Er habe ein übersteigertes Bild von sich selbst, und er sehe sich als der Beste und Klügste.

Gutachter: "Herboth hat alles frei erfunden"

Herboth habe deshalb in der Gerichtsverhandlung seinen bisherigen Lebensweg völlig übertrieben und geschönt dargestellt. Die beiden Sachverständigen haben festgestellt, dass alle Geschichten aus Herboths Jugend frei erfunden waren. Im einzelnen führten sie in ihrem Gutachten aus:

- Rene Herboth war schon als Fünfjähriger das erste Mal beim Psychiater.

- Sein Vater war kein hochdekorierter NVA-Offizier, und er starb nicht, als Herboth 7 Jahre alt war, sondern hängte sich auf, als Herboth 22 Jahre war.

- Zu Hause gab es keine wohlhabenden Verhältnisse mit Hausmädchen und Auto, sondern die Mutter von Herboth hat sich mühevoll durchgeschlagen.

- Herboth war nur acht Jahre in der Schule. Die 12 Jahre Oberschule waren freie Erfindung von Herboth.

- Er war nicht "in der Schule überragend", sondern hat nach acht Jahren Schule eine Lehre als Landmaschinenmechaniker gemacht. In der Schule hat er nicht richtig schreiben gelernt - er war Legastheniker .

- Herboth war kein DDR-Meister im Fünfkampf oder in sonst einer Sportart. Und einen "eigenen" Trainer hatte er ebenfalls nicht.

- Eine eigene Wohnung mit 17 Jahren (in der Ex-DDR!) gab es natürlich auch nicht.

- Bei der NVA war Herboth auch nicht "Promi-Bewacher" für die Frauen der "Politbüro-Bonzen". Er hat diese Frauen auch niemals gefahren. Das einzige, was er gefahren hat, war ein Lastwagen der Handelsorganisation (HO).

- Die Gutachter zitieren Herboth u.a. mit : "Ich bin einfach ein Genie." Über seine Pläne nach Haftentlassung: "Ich bin bereit, in Deutschland mein Genie zur Verfügung zu stellen." Er glaubt, dass andere seine Gedanken lesen können.

Die Gutachter nannten das alles "ein gelockertes Verhältnis zur Realität". Sie bescheinigten Herboth eine besondere Fähigkeit, andere zu seinen Gunsten zu beeinflussen: "Wer da beim Hauskauf ein Schnäppchen machen will, der ist verloren." Die Sachverständigen schlossen nicht aus, dass Herboth in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war. Sie empfahlen eine psychiatrische Behandlung. (26.04.2013)


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