Deutsche fordert Animation-Programm für Schildkröt

Deutsche fordert Animationsprogramm Schildkröten

Türkei-Zeitung: Monika Kaufmann Alanya

In einem Land, in dem die Schere zwischen Arm und Reich immer noch weiter auseinanderklafft als in europäischen Ländern, fordert eine Deutsche, dass Schildkröten neben einem Salatbüffet ein Unterhaltungsprogramm geboten wird.

Die Deutsche Monika K. aus der Nähe der südtürkischen Touristenmetropole Alanya hatte vor eineinhalb Jahren ehemals verletzte Schildkröten einem deutschen Ehepaar in Obhut gegeben. Als diese jetzt für kurze Zeit in Deutschland waren, trug sich folgendes zu:

Die vier Schildkröten lebten ein beschauliches und friedliches Leben in dem Garten eines deutschen Ehepaares. Sie hatten ihre Ruhe und einige Schlupfwinkel, wie Büsche und Blumenkübel. Als das Paar für einige Zeit nach Deutschland wollte, wurde eigens für die Schildkröten ein kostspieliger Zaun angebracht. In dem Glauben, dass die üblichen Pflanzen und hin und wieder ein Kopf Salat völlig ausreichend sind, wurden die Schildkröten, dessen Zahl sich inzwischen auf 7 Stück erhöht hatte, doch tatsächlich in dem Garten ihrem Schicksal überlassen. Was ist das für eine Welt?!

Zwar kümmerten sich Freunde und auch Nachbarn während ihrer Abwesenheit um die Tiere, aber diese Maßnahmen konnten die deutsche Monika K. nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Tiere vernachlässigt werden. Denn in ihren Augen fiel das übliche morgendliche Unterhaltungsprogramm für die bedauernswerten Tiere aus. Sie bekamen keine Ansprache mehr, jede Zärtlichkeit fehlte, und das belebende lauwarme Bad fiel auch weitgehenst aus.

Die sonst so geselligen Tiere, die auch gerne einmal mit einander toben und deswegen auch über entsprechendes Spielzeug verfügten, fielen in eine tiefe Depression, und das rief die (geschätzt) 70-jährige selbsternannte Tierschützerin auf den Plan.

Bar jeder Kenntnis über diese Tierart, stürmte sie in Abwesenheit des deutschen Paares, mit einer weiteren "Tierschützerin", den Garten, ohne Rücksicht auf den damit begangenen Hausfriedensbruch.

Das Ehepaar, dessen Tochter als ausgebildete Tierpflegerin noch darauf hingewiesen hatte, das frische Kost, wie Salat, Gurken und Tomaten, nicht zu den Dingen gehören, die Schildkröten in ihrer meist von der Sonne ausgedörrten Landschaft zu finden pflegen, ließen die Schildkröten mit gutem Gewissen in dem geschützten Garten zurück.

Monika K., von ihren Freunden hinter vorgehaltener Hand liebevoll auch "Lady Gaga" genannt, ließ sich nun durch nichts mehr bremsen, und "befreite" die armen Tiere ohne Rücksicht auf Verluste aus den Fängen dieser grausamen Tierquäler, wie sie besonders die Frau betitelte.

Man sollte es sich auf der Zunge zergehen lassen, dass in einem Land wie der Türkei, wo sich Eltern die Schulbildung ihrer Kinder oft nicht leisten können, von einer Gastbürgerin ein Animationsprogramm für Schildkröten gefordert wird.

Im übrigen befinden sich die Schildkröten jetzt in einer Hundepension als Spielzeug für ca. 20 Pflegehunde. Nach Aussagen einer Besucherin knabbern die Hunde die Panzer an und drehen die Schildkröten auf den Rücken. Das nenne ich wahren Tierschutz, solch Leute braucht das Land. Nicht zusehen, sondern handeln. Bravo und weiter so!

Angelika Kammer
angelika@tuerkei-zeitung.de